Auf dem Papier sehen die beiden aus wie Geschwister: Beides sind Online-, Third-Person-freundliche postapokalyptische Survival-Spiele, die sich um Plündern, Craften und den persönlichen Basisbau drehen. Der Unterschied liegt in Ton und Struktur. Fallout 76 ist ein persistentes Bethesda-RPG in Appalachia, das du einmal kaufst und für immer behältst; Once Human ist ein Free-to-Play-Live-Service-Spiel von NetEase, verpackt in lovecraftschen kosmischen Horror, in dem die Gegner verzerrte Deviants statt Super Mutants und Ghule sind.
Gameplay & Kampf
Der Kern-Loop reimt sich. Du plünderst zerstörte Städte, schleppst Schrott nach Hause und baust eine CAMP-artige Basis aus einem zusammensteckbaren Bausatz. Doch das Gefühl von Moment zu Moment unterscheidet sich. Fallout 76 behält V.A.T.S., das SPECIAL-System und Perk-Karten, sodass Builds stat- und perk-getrieben sind und das Gunplay bekanntermaßen schwammig ist. Once Human ist ein direkterer Shooter mit strafferem Rückstoß und Waffenhandling, ergänzt durch seine Sanity-Mechanik – zu langes Verweilen in verdorbenen Zonen oder Krankheiten nagen an deinem Lebenspool, bis du dich ausruhst oder Medikamente nimmst, ein Echo darauf, wie Strahlung dich in Appalachia zermürbt. Once Human bringt zudem Deviations ein, sammelbare Kreaturenhelfer, die kämpfen, farmen oder deine Basis mit Energie versorgen, wofür Fallout 76 kein Gegenstück hat.
Welt & Inhalt
Hier zieht Fallout 76 davon. Appalachia ist handgefertigt, dicht mit umgebungsbasiertem Erzählen, Holobändern und Jahren hinzugefügter Quests (Wastelanders, Steel Dawn, Expeditions). Die Karte von Once Human ist atmosphärisch und seine Horror-Set-Pieces sind wirklich eindrucksvoll, aber Kritiker und Spieler bemängeln durchweg die starke Wiederverwendung von Assets – dieselben Silos, Tankstellen und Feindlager wiederholen sich, bis Monotonie einsetzt. Once Human kontert mit seinen saisonalen Szenarien: story-getriebene Server mit echten narrativen Bögen, während die Saisons von Fallout 76 dem festen Welt meist nur Kosmetik und kleine Nebeninhalte anschrauben.
Progression & Monetarisierung
- Fallout 76: Buy-to-Play (häufig reduziert). Optionales Fallout-1st-Abo (~13 $/Monat) schaltet private Server, die Scrapbox und ein Survival-Zelt frei. Der Atomic Shop ist kosmetiklastig, verkauft aber gelegentlich Komfort.
- Once Human: kostenlos herunterladbar, aber monetarisiert über eine gacha-angehauchte Blueprint-/Kosmetik-Ökonomie, die zum Launch Kritik auf sich zog, plus einen Battle Pass. Nichts sperrt die Kernkampagne aus, doch der Sog zum Geldausgeben ist konstanter.
- Wipes: Fallout 76 ist permanent – dein Charakter bleibt unbegrenzt bestehen. Die Szenario-Server von Once Human setzen sich etwa alle sechs Wochen zurück, wobei du Blueprints und Kosmetik behältst und Fortschritt inzwischen in permanenten Modi sichern kannst.
Welches solltest du spielen?
Wähle Fallout 76, wenn du ein stabiles, story-reiches RPG willst, das dir vollständig gehört, mit einer lesenswerten Welt und einer großen, gereiften Spielerbasis nach dem Aufschwung durch die TV-Serie. Wähle Once Human, wenn du eine gruseligere, shooter-lastigere, kostenlos ausprobierbare Variante mit Kreaturensammeln und frischen saisonalen Neustarts willst. Sei ehrlich zu dir selbst, was die Wipes und den Store angeht: Once Human ist das jüngere, noch in Entwicklung befindliche Produkt, und seine langfristige Form ist weniger erprobt als Bethesdas inzwischen rehabilitierter Überlebender.



